Revolution 1848

Der Schwager Pfarrer Seemann berichtete 1885 über Wilhelms Leben:

Dieser Freund hieß Blenker und die Verbindung mit ihm hat alles herbeigeführt, was in den folgenden Jahren erlebt und geschehen ist. Blenker war ein kluger, aber unruhiger Mensch. Zuerst erklärte er seinem Freunde W. Achilles, dass er ihm eine viel bessere Stelle … verschaffen wolle, da ein französischer Champagnerkaufmann dort sei und einen Reisenden suche … Diese Stelle nahm er nun sofort an und wurde ein Champagnerreisender … Also von dieser Zeit an war W. Achilles mit Blenker ganz genau verbunden und als Weinreisender beständig unterwegs auf weiten Touren, wobei wir hier oft von ihm Besuch erhielten.

1845/46
Wilhelm übernahm den Champagnerhandel und nutzte seine Reisen als Agitator für die liberale Sache. Seine Freundschaft mit Ludwig und Elise Blenker brachte ihn in engen Kontakt zu linken Revolutionären. Pastor Seemann versuchte erfolglos, ihn davon abzubringen.

1848Bei der Taufe seines Neffen Richard, dem Sohn von Luise und Theodor Seemann, ist er eingetragen als Kaufmann Achilles, Worms, abwesend.

Mai 1849
Wilhelm war zur Zeit des Maiaufstandes in Dresden.

Juni/Juli 1849
Blenker befehligte ab 9. Mai Aktionen in der Pfalz, in Ludwigshafen, Worms, Landau und kämpfte dann in Baden. Von Wilhelm ist nur bekannt, dass er in Ludwigshafen Adjutant eines Befehlshabers, evtl. des Kapitäns Adam Mieroslawski, war.

Adam Mieroslawski und Wilhelm Achilles.
Wann und wo das Foto entstand, ist unbekannt.

06. Juli 1849
Angesichts der unvermeidlichen Niederlage flüchtete Wilhelm zusammen mit Blenker, Fassbinder und Massmann in die Schweiz. In Zürich wies er sich als preußischer Weinhändler aus und erhielt vom preußischen Gesandten Papiere. Blenker wurde in Baden zum Tode verurteilt und aus der Schweiz ausgewiesen. Die Flüchtlinge reisten mit dem Ziel Amerika über Paris nach Le Havre, wo Wilhelm sich von ihnen trennte und über Hamburg nach Wusterhausen fuhr.

Der Schwager Pfarrer Seemann berichtete 1885 über Wilhelms Leben:

Blenker war nun ganz besonders mit revolutionären Gedanken erfüllt und er mit zwei anderen Herren, einem Professor und einem Gerichtsrat, bildete eine Partei, die sich zum Umsturz der bestehenden Staats- und Kirchenordnung verbündete und nach allen Orten zu verbreiten suchte.
Dazu war die Stellung eines Weinreisenden sehr geeignet und W. Achilles wurde dafür ganz besonders in Tätigkeit gesetzt, und betrieb die Sache mit großem Eifer. Dabei kam ihm seine Kenntnis verschiedener Sprachen zu Hilfe, der englischen, französischen, wozu nun auch noch die polnische kam, denn unter den Polen waren ja besonders viele Revolutionäre.

Öfters redete ich mit ihm über die Ungehörigkeit und Gefährlichkeit seiner Verbindung, er erklärte mir aber, dass es ihm nicht möglich sei, sich davon zu- rückzuziehen und er sein Leben verlieren würde, wenn er abfallen wollte. Endlich traf im März 1848 die Revolution in Berlin ein, die damit endigte, dass der König Friedrich Wilhelm IV seine bisherige absolute Herrschaft aufgab und eine parlamentarische Regierung einführte.
Dasselbe geschah in eben diesem Jahr in Wien, Dresden, München und anderen Hauptstädten.

Als die Revolution in Dresden eintraf, war W. Achilles dort anwesend, aber beteiligt war er nicht dabei. Im Jahre 1849 wurde nun in Baden die größte von diesen Revolutionen ausgeführt. Der Großherzog und seine ganze Familie musste entfliehen, eine große Anzahl revolutionärer Menschen aus allen Ländern kam dort zusammen, besonders viele Polen. Blenker … hatte die Einrichtung des Heeres, … ein damals sehr bekannter Pole wurde … zum Ober- befehlshaber ernannt, … und eine Heeresaufstellung in der nahe dabei gelegenen Stadt Ludwigshafen veranstaltet, wobei Wilhelm Achilles die Würde seines Adjutanten erfüllte, was er mir in einem Schreiben von dort meldete. Nun wurde vom preußischen König sein Bruder, damals Kronprinz Wilhelm, der jetzige Kaiser, mit einem Truppencorps vom Rheinland abgesandt, um die aus vielen Tausenden bestehende Rebellenarmee zu verjagen …

Bei der Festung Rastatt nahe der Schweizer Grenze machten sie noch einen Stillstand und wollten versuchen, mit den Preußen zu kämpfen, als diese aber anrückten begaben sich alle auf die Flucht und hörten nicht eher auf, als bis sie über die nahegelegene Grenze nach der Schweiz kamen, wo sie geduldet wurden. Hier suchte W. Achilles sehr bald den preußischen Gesandten in Zürich auf, präsentierte seinen Legitimationsschein als preußischer Weinhändler, ließ ihn dort unterschreiben und war dadurch … vor aller Bestrafung wegen Teilnahme an der badischen Revolution gesichert. Blenker, seine beiden Genossen und viele andere beschlossen nun nach Paris und von dort nach Amerika zu gehen. Reisten über Paris nach Le Havre und W. Achilles mit ihnen.